Über den Hohenasperg gibt es ein Bonmont. Er sei, so heißt's, Württembergs höchster Berg - es dauere nur fünf Minuten, um hinaufzukommen, aber ewig, um wieder herunterzugelangen. Der Satz spielt darauf an, dass die trutzige Festung von 1738 als Staatsgefängnis diente. Hier ließ Herzog Carl Eugen 1777 den renitenten Dichter Christian Friedrich Daniel Schubart einkerkern, der zwar nicht ewig, aber immerhin zehn Jahre hinter den dicken Mauern einsaß. Dem Querdenker verdankt die Lokalität auf dem Asperg auch ihren Namen - die Schubartstube.
An diesem schwülen Sommerabend dauert der Weg durchs gewaltige Löwentor hinauf auf die Festung (auf der heute die sozialtherapeutische Anstalt des Landes untergebracht ist) länger als fünf Minuten. Dafür belohnt der atemberaubende Blick ins Neckartal oder hinüber auf den Stromberg. Wer im Biergarten oder auf einer der dicken Mauern sitzen möchte, bedient sich am Kiosk. Wer speisen will, muss schauen, ob er in den beiden Stuben einen Platz findet.
Seit rund drei Monaten haben zwei Nebenerwerbsgastwirte in dem denkmalgeschützten Wachturm das Sagen: Harald Götsch und Michael Föll haben das beliebte Lokal nach gründlicher Renovierung übernommen. Gastronomische Erfahrung, so räumt Föll freimütig ein, hätten sie nicht, "nur passiv, als Nutzer". Das muss kein Schaden sein, steht doch mit Lutz Mösche ein erfahrener Koch am Herd, der bereits beim Vorpächter seinen Dienst versehen hat. Zweiter - und eigentlicher Chef in der Küche - ist nun Andreas Riel.
Das Speiseangebot beschränkt sich auf die schwäbischen Klassiker zu absolut familienfreundlich kalkulierten Preisen. So schlägt die Flädlesuppe mit 3,20 Euro zu Buche, Linsen mit Spätzle und Saitenwürstle sind für 7,90 Euro zu haben.
Der Temperaturen wegen entscheiden wir uns lieber für Wiener Schnitzel mit Pommes frites (12,90 Euro), Zwiebelrostbraten mit Brot (9,80 Euro) und als Vorspeise für einen kleinen Salatteller. Der ist nun alles andere als klein und vor allem so gut (ob Gurke, Kraut, Tomate - jeder Salat eigens angemacht), dass er eine Person sättigen könnte. Auch die Hauptgerichte entsprechen voll und ganz den Erwartungen. Das Weinangebot (3,50 bis 4,10 Euro) ist dem Konzept entsprechend klar württembergisch dominiert (vor allem Dürrenzimmern und Asperger Berg). Auch beim Service gibt es nichts zu meckern: Die junge Frau ist erfrischend natürlich und zuvorkommend. Ja, in der Schubartstube sitzen wir gerne wieder ein.


