Trotzdem gibt es dort nicht nur Zellen, sondern auch eine einladende Stube - passenderweise benannt nach Christian Friedrich Daniel Schubart. Der Herzog von Württemberg ließ den Dichter und Musiker 1777 in den Kerker werfen. Zehn Jahre saß er auf dem Hohenasperg ein, weil er dem absolutistischen Herrscher seine Meinung gesagt hatte. Heutzutage werden unter seinem Namen schwäbische Spezialitäten serviert.
Für die Gaststätte ist die exponierte Lage nur von Vorteil. Wenn das Wetter schön ist, wird die Festungsmauer zur wohl längsten Theke Baden-Württembergs. Dann sitzen die Ausflügler mit ihren Getränken auf dem Wall und schauen der Sonne dabei zu, wie sie im Neckartal versinkt. Allein wegen dieser Aussicht reicht der Ruf des Biergartens weit über Asperg hinaus. Umso erstaunter waren Harald Götsch und Michael Föll, als sie im Sommer 2005 dort oben nichts mehr zu essen und zu trinken bekamen.
Überzeugendes Konzept
Doch das Land, dem die Festung gehört, hatte das Restaurant geschlossen: Es musste dringend saniert werden, und eine Zeit lang war nicht klar, ob die Regierung Geld dafür ausgeben wollte. Spontan wandten sich die beiden Möglinger an das Finanzministerium. "Mit dem Lokal verbinden wir viele Jugenderinnerungen", erklärt Harald Götsch.
Zwei Jahre später läuft der Betrieb wieder - die beiden führen nun die Geschäfte, obwohl sie ganz anderen Berufen nachgehen. Götsch ist Geschäftsführer einer Personalberatung und Michael Föll Speditionsinhaber. Ihr Konzept hat überzeugt, 350 000 Euro steckte das Finanzministerium in die Sanierung.
Turmzimmeratmosphäre
Eine Turmzimmeratmosphäre herrscht in den beiden Räumen mit den dicken Steinmauern. Nach dem Essen bleiben die Gäste meist lange sitzen. Klassisch schwäbische Gerichte stehen auf der Karte. Eine kräftige Brühe mit nicht minder geschmacksstarken Maultaschenstücken für 3,50 Euro zum Beispiel, ein zarter Zwiebelrostbraten für 13,20 Euro mit Spätzle und einer Trollingersoße, die leckerer schmeckt als der pure Wein, und ein gutbürgerliches, leider leicht ausgedörrtes Schweinerückensteak mit Champignonrahmsoße und Kroketten (9,80 Euro).
Linsen mit Spätzle und Saitenwürstle sind für 7,90 Euro zu haben, ein großer gemischter Salat mit Schinken und Käse für 7,80 Euro. Kleine Gäste lassen sich für 2,80 Euro und Spätzle mit Soße satt machen. Zum Nachtisch gibt es ein gemischtes Eis mit Sahne (3,30 Euro) oder ein gebackenes Apfelküchle (4,50 Euro).
Die Halbe Bier kostet 2,90 Euro, das Viertele Wein rund vier Euro. Im Biergarten müssen sich die Gäste mit einer kleineren Karte begnügen, unter anderem mit Wurstsalat, Pommes oder Thüringer.
"Der schönste Arbeitsplatz der Welt"
"Die Schubartstube war ein schwäbisches Restaurant und soll es bleiben", sagt Harald Götsch. Er setzt auf Altbewährtes: Als Koch hat er Lutz Mösche angeheuert, der zuvor schon jahrelang auf dem Hohenasperg am Herd stand. "Das ist der schönste Arbeitsplatz der Welt", findet der Küchenchef. Überhaupt sind viele Mitarbeiter von früher zurückgekehrt - und die Gäste sowieso.
Im Restaurant empfiehlt es sich zu reservieren. Im Biergarten spielen ein bis zweimal im Monat Bands, dann strömen Hunderte von Besuchern auf die Festung. Ihnen geht es offensichtlich wie Harald Götsch und Michael Föll: Die Schubartstube macht den Hohenasperg zu einem gemütlichen Ort.



